Südengland & Cornwell

The Minack Theatre

03.05.2012

Ein weiteres Highlight unserer Fahrt war das Minack Theatre. Schon auf dem ersten Bild links wirkte es fast unwirklich, wie selbstverständlich diese steinernen Formen in der Landschaft lagen – und in der Mitte stand dann ganz nüchtern das Schild am Eingang, als würde es sagen: Ja, hier oben auf den Klippen gibt es wirklich ein Theater.

Besonders beeindruckt hatte uns, dass dieser Ort auf die Vision einer einzigen Frau zurückging: Rowena Cade, die das Minack überhaupt erst möglich gemacht hatte (rechts und links ein Foto von ihr).

Schon auf dem Weg dorthin öffnete sich der Blick auf die zerklüftete Küste, das Wasser darunter und die Felsen, die wie grob behauene Stufen ins Meer führten. Weiterhin sahen wir die Brandungsspuren zwischen den Steinen und konnten kaum glauben, dass man an so einem Ort nicht nur sitzen, sondern auch spielen, singen und erzählen konnte. Je näher wir kamen, desto mehr hatten wir den Eindruck, als wäre das Theater nicht auf die Klippe gesetzt, sondern aus ihr herausgewachsen.

Als wir später die Sitzreihen genauer betrachteten, entdeckten wir überall Inschriften: Viele Plätze trugen die Namen – teils auch Daten – von Stücken, die hier aufgeführt worden waren. Das fühlte sich an wie ein stilles Archiv unter freiem Himmel, in dem jede Reihe eine kleine Erinnerung bewahrte. Im Programm gibt es (je nach Saison) regelmäßig Vorstellungen aus ganz unterschiedlichen Sparten, und wir mochten den Gedanken, dass diese raue Kulisse immer wieder zur Bühne für neue Geschichten geworden war. Leider blieb uns nicht die Zeit, uns selbst eine anzuschauen.

Nicht nur das Theater an sich war erstaunlich, auch seine Lage nahm uns sofort gefangen. Von den steinernen Rängen aus schaute man hinunter zur Bühne, die direkt an der Kante der Klippen lag – und dahinter begann ohne Übergang das weite Meer. Alles daran erinnerte uns daran, dass hier jede Aufführung mit Wind, Licht und Wetter lebte und nie ganz „nur“ im Theaterraum stattfinden konnte.

Auch rund um die Anlage wirkte alles liebevoll gestaltet: zwischen Mauern und Wegen wuchsen Sukkulenten, kräftiges Grün und dazwischen überraschend leuchtende Blüten. Rechts fielen uns die weißen, kelchförmigen Blüten auf, die wie kleine Lichter aus dem Beet ragten – ein zarter Kontrast zu Stein und Salzluft. Wir gingen langsam durch diese Gärten und hatten das Gefühl, dass hier nicht nur an Aufführungen gedacht worden war, sondern auch daran, wie man den Ort im Alltag schön und lebendig hält.

Besonders berührt hat uns der Gedenkstein. Er fühlte sich an wie ein schlichtes, aber sehr klares Danke – und wir standen einen Moment still, weil man plötzlich verstand, was für ein unglaublicher Wille und welche Ausdauer in diesem Ort steckten. Dass sie bis ins hohe Alter weiter an „ihrem“ Theater gearbeitet hatte, machte unsere Bewunderung nur noch größer.

Nokis Tipp

Das Minack Theatre sist einfach unglaublich und mindestens einen Besuch wert. Wenn die Zeit da ist, schaut in den Spielplan und erlebt eine Vorstellung auf den rauen Klippen. Denkt aber an ein Sitzkissen und wetterfeste Kleidung, um es richtig genießen zu können.

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